Strapazen

 

Toshiro verdrehte die Augen. Er konnte das Geklacker ihrer hochhackigen Schuhe schon über den gesamten Flur hören. Dabei musste er sie nicht einmal ansehen, um zu wissen, dass sie einen aufreizend kurzen Rock und markanten Lippenstift trug, mal wieder. Und wieder einmal wusste er ganz genau, wen sie damit beeindrucken wollte: ihn.

Genervt stöhnte er auf und griff sich die nächstbeste Patientenakte. Aufgeklappt und konzentriert vertieft hoffte er, dass sie wenigstens diesmal vorbeigehen würde. Doch weit gefehlt. Das Geräusch, das ihre Absätze auf dem Linoleum hinterließen, verstummte neben ihm. „Wann gehst du endlich mit mir aus?“, gab sie in gewohnter Weise, ohne die Menschen um sich herum zu beachten, von sich. Doch er dachte nicht einmal daran, sich umzudrehen.

„Wie oft soll ich dir eigentlich noch sagen, dass da nichts zwischen uns laufen wird? Ich hab eine Freundin, verdammt!“, entgegnete er ohne zu ihr weitere Aufmerksamkeit zu schenken. Scheinbar störte sie sich nur an dem ersten Teil, denn sie setzte sich prompt auf den Tresen und schlug die Beine übereinander, wodurch ihr Rock noch weiter nach oben rutschte. Toshiro ignorierte sie, las und blätterte, bis die ihm schließlich die Patientenakte wegzog.

Er blickte auf. Heute hatte sie ihr Haar hochgesteckt und scheinbar wuchsen ihre Wimpern jeden Tag. Bei der Länge konnten es nur Falsche sein, kam ihm in den Sinn, genauso wie der Wunsch, dass sie endlich von ihm ablassen würde. Warum suchte sie sich nicht jemand anderes? „Nein heißt nein, Fumiko. Merk dir das“, gab Toshiro patzig zurück. Er wäre nett geblieben, wenn es das erste Mal gewesen wäre.

„Sie studiert noch, ich bitte dich. So ein Kindchen ist doch nichts für dich. Was du brauchst, ist eine richtige Frau“, konterte die Assistenzärztin und setzte dabei ein unschuldiges Lächeln auf.

Toshiro überlegte kurz. War er etwa unvorsichtig geworden? Hatte er sich verplappert? Nein! Jemand musste geredet haben. Und wieder hatte er dazugelernt. „Ja, sie studiert. Und ich liebe sie!“

„Nun ich bin fertig mit meinem Studium. Und frei und ungebunden…“, begann sie ihre vermeintlichen Vorzüge aufzuzählen, abgesehen von denen, die sie für jedermann zur Schau stellte.

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